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Bundesforschungsministerin stellt innovatives Methanol-Auto vor

Bundesforschungsministerin Anja Karliaczek hat Ende September dieses Jahres in Berlin den Prototypen eines Autos vorgestellt, das mit dem synthetischen Kraftstoff Methanol angetrieben werden kann. Grundlage dieses Kraftstoffes ist „grüner“ Wasserstoff – einer der wichtigsten Grundbausteine für den klimaschonenden Umbau von Schlüsselindustrien in Deutschland und der gesamten Welt – und CO2, das aus Industriabgasen entnommen werden kann. Klimaschutz gelingt nach Meinung der Bundesforschungsministerin nur mit „grünem“ Wasserstoff. Deshalb unterstützt das BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung, Berlin, die Forschung zur Nutzung des „grünen“ Wasserstoffs schon heute massiv, wobei in den nächsten Jahren die Anstrengungen noch einmal erhöht werden müssen. Gerade in Industrie und Verkehr wird es auch in Zukunft chemische Energieträger brauchen. Und: Nicht alle Industrieprozesse lassen sich völlig dekarbonisieren. Es wird weiter CO2 anfallen. Dafür braucht es Lösungen.

Zwischen diesen beiden Punkten wird eine sehr interessante Brücke geschlagen: Die Nutzung von Methanol aus „recyceltem“ CO2 der Industrie als Kraftstoff im Straßenverkehr. Das BMBF stellt für die Erforschung dieser Wertschöfpungskette zusätzlich 10 Mio. Euro zur Verfügung.

Mobilität von morgen

Aber auch das Methanolauto selbst ist ein „Innovationsschaufenster“ für eine emissionsarme, ressourcen- und energieeffiziente Mobilität von morgen. Synthetischen Kraftstoffen kommt eine wichtige Rolle zu, um weltweit ein nachhaltiges, klimafreundliches Mobilitätsystem möglich zu machen. Das ist im Schiffs- und Flugverkehr wichtig oder dort, wo auch in Zukunft vielleicht nicht immer eine Ladesäule für das Elektroauto zur Verfügung stehen wird. Gerade dort kann der serielle Hybridantrieb perspektivisch eine gute Lösung sein.

Robert Schlögl, Direktor des Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion, München, und Carbon2Chem Projektkoordinator, betont, dass die Dringlichkeit des Klimaschutzes den schnellen und umfassenden Einstieg in regenerative Energie erfordert. In einem globalen Markt für erneuerbare Energie sind kohlenstoffhaltige Energieträger wie Methanol zentrale Bausteine. Das vorgestellte Konzept des seriellen Hybridantriebs vereinigt die Vorteile des effizienten Elektroantriebes und des energiedichten und einfach zugänglichen synthetischen Kraftstoffes Methanol. Dieses Konzept gilt es durch das mit dem Methanol-Auto vorgestellte Forschungsprojekt weiter zu optimieren.

Nach Aussage von Frank Wolf, Chief Executive Officer der OBRIST Group, ist das HyperHybrid powertrain, dessen Zero-Vibration-Generator mit „grünem“ Methanol Strom erzeugt, eine wesentliche Innovation für eine global einsetzbare, leistbare und emissionsneutrale e-Mobilität – ein Auto mit „grünem“, flüssigem Strom im Tank.

Hintergrund

Das Methanol-Auto ist Teil des Flaggschiffprojekts Carbon2Chem, das die Reduzierung von CO2-Emissionen in der Stahlindustrie zum Ziel hat und vom BMBF bislang mit 145 Mio. Euro gefördert wurde. Das 2016 gestartete Vorhaben wandelt die kohlenstoffdioxidhaltigen Hüttengase des Stahlwerks mit der Hilfe von „grünem“ Wasserstoff in Basischemikalien und synthetische Kraftstoffe um. Seit 2020 bereitet Carbon2Chem in einer zweiten Projektphase die industrielle Umsetzung vor. Dazu gehört der Aufbau von Wertschöpfungsketten für die erzeugten Produkte.

Das im August 2021 ergänzte Arbeitspaket zum Methanol-Auto fokussiert auf die Verwertung des Hauptproduktes von Carbon2Chem, Methanol. Dafür wird ein Konzept für einen seriellen Hybrid-Antrieb unter anderem für Automobile weiterentwickelt, optimiert und als Demonstrator umgesetzt. Die Obrist DE GmbH, Lindau (Bodensee), arbeitet dafür mit der TU München, der TU Dresden und der RWTH Aachen zusammen. Das Arbeitspaket zum Methanol-Auto wird mit weiteren rund 10 Mio. Euro gefördert.