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Marktmonitoring Bioenergie veröffentlicht ersten Geschäftsklimaindex

Die dena Deutsche Energie-Agentur GmbH, Berlin, hat vergangene Woche den ersten Bericht zum Marktmonitoring Bioenergie veröffentlicht. Er gibt eine Übersicht zu den Branchenkennzahlen und ein Stimmungsbild für den gesamten Bioenergiemarkt.

Bioenergie sicherte im vergangenen Jahr mit 256 TWh rund 10 % des deutschen Endenergieverbrauchs. Was benötigt die Branche, um weiter nachhaltig zur erneuerbaren Energieversorgung beizutragen? Das soll ein Gesamtüberblick über die Entwicklungen der Bioenergieträger sowie ein Geschäftsklimaindex zeigen: „Das „Marktmonitoring Bioenergie“ der dena startete Anfang des Jahres unter der Schirmherrschaft des BMWK Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, Berlin.

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen: Die generelle Stimmung im Bioenergiemarkt schätzen die Teilnehmenden als recht durchwachsen und tendenziell eher gut ein. Aufgrund der steigenden Ziele für erneuerbare Energien sieht ein Großteil der Akteure zukunftsfähige Geschäftskonzepte in der Biomasse.

Befragt wurden für die Einschätzung der Geschäftslage Teilnehmende der gesamten Wertschöpfungskette für feste (zum Beispiel Holzpellets), gasförmige (zum Beispiel Biomethan) sowie flüssige Bioenergie (zum Beispiel Bioethanol).

Die Geschäftslage für feste Bioenergie schätzte rund die Hälfte der Befragten (47 %) als mittelmäßig ein. 44 % gaben an, dass sich die Geschäftslage im Vergleich zum Vorjahr gebessert oder nicht verändert hat. Die künftige Geschäftslage wird im festen Bioenergiebereich von 48 % der Befragten eher positiv eingeschätzt. Am meisten beeinflusst wird die künftige Einschätzung dabei von regulatorischen Rahmenbedingungen.

Für gasförmige Bioenergie sahen 57 % der Befragten die aktuelle Geschäftslage als mittelmäßig an. Mit 47 % gab rund die Hälfte der Befragten an, dass sich die Geschäftslage im Vergleich zum Vorjahr gebessert hat. Für 17 % verschlechterte sich die Lage dagegen, unverändert blieb sie für 37 % der Befragten. Die Aussichten im gasförmigen Bioenergiebereich werden eher positiv eingeschätzt, allerdings fällt es 60 % der Befragten schwer oder sehr schwer die künftige Geschäftslage einzuschätzen. Unsicherheiten erzeugen auch dort hauptsächlich die regulatorischen Rahmenbedingungen.

Die Geschäftslage für flüssige Bioenergie schätzen zwei Drittel der Befragten (67 %) als mittelmäßig ein, als gut wird sie nur von 33 % beschrieben. Uneinheitlich auch die Veränderung der Lage im Vergleich zum Vorjahr: Für 50 % hat sie sich gebessert, für 50 % verschlechtert. Der Ausblick für flüssige Bioenergieträger wird zum Zeitpunkt der Umfrage eher als gleichbleibend günstig bis gleichbleibend eingeschätzt.

Zusammenfassend steigt zwar der Bedarf nach flexibler, nachhaltiger Bioenergie, deren Einsatz wird jedoch in der Praxis durch neue Dokumentationspflichten, begrenzte Technologieoffenheit und fehlende Investitionssicherheit zunehmend erschwert. Aktuelles Beispiel ist die neue Gasbeschaffungsumlage. Sie muss nach derzeitiger Regelung auch für Biomethan gezahlt werden. Die Kosten dafür können aufgrund der gedeckelten EEG-Vergütung beim Einsatz in KWK-Anlagen nicht kompensiert werden, das gefährdet Bestandsprojekte. Ein weiteres Problem: die derzeitige Diskussion zur Reduzierung der Anbaufläche von nachwachsenden Rohstoffen zur Anrechnung auf die Treibhausgasminderungsquote, indem die Obergrenze für Biokraftstoffe aus Nahrungs- und Futtermitteln bis 2030 auf null abgesenkt werden soll. Dies unterstreicht die Schnelllebigkeit der Regularien, da am 1. Januar 2022 die Obergrenze erst gesetzlich bei 4,4 % festgelegt wurde. Hoffnung setzen die Branchenakteure daher in die kommende Biomassestrategie der Bundesregierung, um endlich einen klaren Fahrplan zu erhalten. Sie sehen es kritisch, dass weitreichende regulatorische Anpassungen ohne diese Strategie vorgenommen werden.

Die Befragten des Marktmonitorings waren sich einig, dass die Bioenergie die an sie gestellten Nachhaltigkeitsanforderungen einhalten kann oder bereits einhält. Um einen langfristigen und nachhaltigen Gleichlauf von ökologischem und ökonomischen Nutzen der Bioenergie zu erreichen, müssen die Zusammenhänge zwischen regulatorischen Vorgaben und der Entwicklung der Marktsegmente transparenter aufgezeigt und diskutiert werden.

Um Bioenergie auch künftig so effizient wie möglich in den Bereichen einzusetzen, die nur schwer zu elektrifizieren sind, werden aus Sicht von Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, langfristig verlässliche Rahmenbedingungen und Investitionssicherheit benötigt. Dazu gehören Regelungen, die eine echte flexible und netzdienliche Stromerzeugung durch Bioenergie unter wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beinhalten. Auch die Nutzung der Wärme aus Bioenergieanlagen muss umfänglicher, effizienter und wirtschaftlicher erfolgen, als das bisher der Fall ist.

Über das Projekt Marktmonitoring Bioenergie

Die dena erarbeitet ein Marktmonitoring für die Bioenergiebranche, das Markttrends und -dynamiken sowie die Konjunkturentwicklung darstellt und bewertet. Zusätzlich wird jährlich auf Basis von Befragungen ein Geschäftsklima-Index erstellt, der ein Stimmungsbild zur wirtschaftlichen Lage und den Herausforderungen in der Branche liefern soll. Ziel ist, ein zentrales, kontinuierliches Marktmonitoring für Bioenergie aus flüssiger, gasförmiger und fester Biomasse zu etablieren. Aus dieser Daten- und Faktengrundlage werden Handlungsempfehlungen für die Politik abgeleitet. Zusätzlich soll der Dialog zwischen Branche und politischen Entscheidungsträgern gefördert werden, um die Potenziale der Bioenergie zur Verringerung der Treibhausgas-Emissionen besser zu nutzen und zugleich die Wertschöpfung zu verbessern.