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70. bp Statistical Review of World Energy

Vor kurzem hat die bp p.l.c., London, die 70. Ausgabe des „Statistical Review of World Energy“ veröffentlicht. Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Energiemärkte waren demnach dramatisch, und sowohl die Primärenergie als auch die CO2-Emissionen verzeichneten die schnellsten Rückgangsraten seit dem Zweiten Weltkrieg. Trotzdem nahm der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energiemix weiter zu, wobei die Solarkraft ihr bisher größtes Wachstum vorweisen konnte. Nachfolgend werden die Kernpunkte des Reviews kurz zusammengefasst.

Entwicklungen im Energiebereich

Der Primärenergieverbrauch ging 2020 um 4,5 % zurück – der größte Rückgang seit 1945. Haupttreiber dabei war das Öl, das rund drei Viertel des Gesamtrückgangs beim Energiebedarf ausmachte; Erdgas und Kohle verzeichneten ebenfalls deutliche Verluste. Trotz der Verminderung des Gesamtenergiebedarfs nahm die Stromerzeugung aus Wind-, Solar- und Wasserkraft in allen drei Bereichen zu.

Die Länder, die die größten Rückgänge beim Energieverbrauch verzeichneten, waren die USA, Indien und Russland. China zeigte mit 2,1 % den größten Anstieg und gehörte damit zu den wenigen Ländern, in denen im vergangenen Jahr die Energienachfrage zunahm.

CO2-Emissionen

Die CO2-Emissionen aus dem Energieverbrauch gingen um 6,3 % zurück und langen damit auf dem niedrigsten Niveau seit 2011. Wie bei der Primärenergie war dieser Rückgang der größte seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Rohöl

Der Rohölpreis (Dated Brent) betrug 2020 durchschnittlich 41,84 $/b – der niedrigste Preis seit 2004. Der Ölverbrauch fiel um 9,1 Mio. b/d bzw. um 9,3 % auf das tiefste Niveau seit 2011. Die größten Einschnitte bei der Nachfrage nach Öl wurden in den USA (- 2,3 Mio. b/d), in der EU (- 1,5 Mio. b/d) und in Indien (- 480.000 b/d) verzeichnet. China war praktisch das einzige Land, in dem der Verbrauch zunahm (+ 220.000 b/d).

Die Erdölförderung ging weltweit um 6,6 Mio. b/d zurück, wobei zwei Drittel des Rückgangs auf die OPEC entfielen. Dabei verringerte sich die Förderung innerhalb der OPEC-Länder besonders in Libyen (- 920.000 b/d) und Saudi-Arabien (- 790.000 b/d); außerhalb der OPEC wurden die größten Rückgänge in Russland (- 1 Mio. b/d) und den USA (- 600.000 b/d) notiert.

Die Auslastung bei den Raffinerien fiel um den Rekordwert von 8 %-Pkt. auf 74,1 %, das niedrigste Niveau seit 1985.

Erdgas

Die Preise für Erdgas fielen auf die tiefsten Stände seit Jahren. 2020 erzielte US Henry Hub durchschnittlich 1,99 $/mmBtu – das war der tiefste Wert seit 1995 – während die Preise in Asien für Flüssigerdgas (Japan Korea Marker) auf ihr historisch tiefstes Niveau von 4,39 $/mmBtu) fielen.

Der Verbrauch von Erdgas ging um 81 Mrd. cbm bzw. um 2,3 % zurück. Trotzdem stieg der Anteil von Erdgas an der Primärenergie weiter und erreichte einen Rekordwert von 24,7 %.

Ein Sinken der Nachfrage nach Erdgas verzeichneten Russland (- 33 Mrd. cbm) und die USA (- 17 Mrd. cbm); die größten Zuwächse hatten China (+ 22 Mrd. cbm) und der Iran (+ 10 Mrd. cbm).

Der interregionale Gashandel fiel um 5,3 % und war komplett auf einen 10,9%igen Rückgang im Pipeline-Handel zurückzuführen.

Die Lieferungen von Flüssigerdgas stiegen um 4 Mrd. cbm bzw. um 0,6 %, was weit unter dem 10-Jahresdurchschnitt von 6,8 % liegt. Die US-Lieferungen von Flüssigerdgas nahmen um 14 Mrd. cbm oder 29 % zu, wobei dieser Anstieg teilweise durch Rückgänge in den meisten anderen Regionen – vor allem Europa und Afrika – wieder kompensiert wurde.

Kohle

Der Kohleverbrauch fiel um 6,2 Exajoule (EJ) bzw. um 4,2 %. Die größten Rückgänge waren in den USA (- 2,1 EJ) und in Indien (- 1,1 EJ) zu verzeichnen; dabei fiel der Kohleverbrauch in den OECD-Ländern auf den tiefsten Stand seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 1965. China und Malaysia, die ihren Verbrauch um 0,5 EJ bzw. 0,2 EJ steigerten, bildeten dabei Ausnahmen.

Die globale Kohleförderung nahm um 8,3 EJ (5,2 %) ab. Wie beim Verbrauch wurde die Produktionssteigerung in China durch starke Rückgänge in mehreren Ländern ausgeglichen; hierzu gehörten die USA (- 3,6 EJ), Indonesien (- 1,3 EJ) und Kolumbien (- 1 EJ).

Erneuerbare Energien, Wasser- & Atomkraft

Der Anteil der erneuerbaren Energien (inklusive Biokraftstoffe aber ohne Wasserkraft) stieg um 9,7 %, also langsamer als im 10-Jahresdurchschnitt mit 13,4 %. Dabei hatte der Energiezuwachs mit 2,9 EJ allerdings eine ähnliche Größenordnung wie die Zuwächse in den Jahren 2017, 2018 und 2019.

Die Stromerzeugung aus Solarenergie stieg um den Rekordwert von 1,3 EJ (20 %).

Windkraft lieferte den größten Beitrag zum Wachstum bei den erneuerbaren Energien.

Die Kapazität von Solaranlagen stieg um 127 GW, während die aus Windkraftanlagen um 111 GW zunahm – rund das Doppelte des bisher größten jährlichen Anstiegs.

China lieferte den größten Beitrag zum Wachstum bei den erneuerbaren Energien (1 EJ), gefolgt von den USA (0,4 EJ). Der Beitrag Europas belief sich auf 0,7 EJ.

Strom aus Wasserkraft nahm um 1 % zu – angeführt wieder von China (0,4 EJ).

Der Beitrag der Atomkraft ging um 4,1 % zurück. Treiber hier waren Rückgänge in Frankreich (- 0,4 EJ), den USA (- 0,2 EJ) und Japan (- 0,2 EJ).

Strom

Die Stromerzeugung ging um 0,9 % zurück – mehr als der Rückgang von 0,5 % im Jahr 2009, welches das einzige andere Jahr in der (1985 erstmals registrierten) Datenerhebung war, in dem ein Nachfragerückgang verzeichnet wurde.

Der Anteil von erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung stieg von 10,3 % auf 11,7 %, der Anteil von Kohle dagegen ging um 1,3 %-Pkt. auf 35,1 % zurück. Dies stellt einen neuen Tiefstand in den Datenreihen dar.

Wichtigste Mineralien

Die Lithium-Produktion fiel im Zuge eines Produktionsrückgangs in Australien um 4,6 %, während die Kobalt-Produktion um 2,9 % stieg, nachdem sich die Förderung in der Demokratischen Republik Kongo nach dem Einbruch im Jahr 2019 teilweise erholt hatte.

Die Produktion von Metallen der Seltenen Erden stieg um 23,2 %. Treiber hier war das starke Wachstum in Australien und den USA.