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BASF und RWE wollen bei neuen Technologien für Klimaschutz kooperieren

Dr. Martin Brudermüller, Vorstandsvorsitzender der BASF SE, Ludwigshafen, und Dr. Markus Krebber, Chief Executive Officer der RWE AG, Essen, haben vergangene Woche in Ludwigshafen im Beisein von Michael Vassiliadis, dem Vorsitzenden der IG BCE Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Hannover, eine Projektidee vorgestellt, die zeigt, wie industrielle Produktion nachhaltig und zukunftsfähig werden kann. Ein zusätzlicher Offshore-Windpark mit einer Leistung von 2 GW soll den Chemiestandort Ludwigshafen mit „grünem“ Strom versorgen und zur kohlendioxidfreien Herstellung von Wasserstoff dienen. Ziel ist, Produktionsprozesse von Basischemikalien, die bisher auf fossilen Energieträgern basieren, zu elektrifizieren.

Dabei sollen kohlendioxidfreie Technologien wie zum Beispiel elektrisch beheizte Steamcracker-Öfen zur Herstellung von Petrochemikalien zum Einsatz kommen, an deren Entwicklung die BASF bereits mit Partnern arbeitet. Um das gemeinsame Vorhaben voranzutreiben, haben die Vorstandsvorsitzenden der BASF und der RWE eine Absichtserklärung über eine weitreichende Kooperation für den Aufbau zusätzlicher Kapazitäten für erneuerbaren Strom und zur Nutzung innovativer Technologien für den Klimaschutz unterzeichnet. Sie wollen gemeinsam den Weg zu einerkohlendioxidneutralen Chemieindustrie durch Elektrifizierung und den Einsatz von kohlendioxidfreiem Wasserstoff beschleunigen. Aus Sicht von M. Vassiliadis werden damit klimagerechte Transformation und Energiewende konkret und greifbar. Die IG BCE steht hinter diesem Großprojekt, weil es aus ihrer Sicht ein Symbol für die Innovationskraft der Industrie ist.

Mit dem Vorhaben könnten rund 3,8 Mio. t CO2-Emissionen pro Jahr vermieden werden, bis zu 2,8 Mio. t davon direkt bei der BASF in Ludwigshafen. Es zeigt konkret, wie Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit in der Chemieindustrie in Einklang gebracht werden können. Eine finanzielle Förderung durch die öffentliche Hand für den Bau des Windparks wäre nicht erforderlich.

Nach Informationen von M. Brudermüller kann die zu bewältigende Transformation ohne ausreichende Mengen an Strom aus erneuerbaren Quellen zu wettbewerbsfähigen Preisen nicht gelingen. Diese Aufgabe ist aus seiner Sicht nur durch eine neuartige und intensive Zusammenarbeit zwischen Politik und Industrie zu meistern und sie benötigt die Zusammenarbeit über Wertschöpfungsketten hinweg. In der Partnerschaft zwischen der RWE als führendem Unternehmen in der Stromerzeugung und der BASF in der Chemie, werden die notwendigen Voraussetzungen und der Wille zur Gestaltung zusammengebracht.

Einen neuen Offshore-Windpark schon bei der Planung an einen industriellen Abnehmer wie die BASF zu koppeln, die auf dieser Basis ihre Produktion auf „grünen“ Strom und Wasserstoff umstellt, wäre laut M. Krebber für Deutschland ein Novum. Eine Realisierung des Vorschlags wäre eine echte Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien. Auch wenn noch einige Fragen offen sind, wollen die Unternehmen ihr Vorhaben vorantreiben und so die Energiewende gestalten: je schneller, desto besser.

Voraussetzung für die Realisierung des Vorhabens ist ein entsprechender Regulierungsrahmen. Die Politik hat angekündigt, die Ausbauziele für erneuerbare Energien deutlich anzuheben und den Zubau zu beschleunigen. Dafür müssten Flächen für Offshore-Projekte ausgeschrieben werden, deren Nutzung nach heutiger Planung erst nach 2030 vorgesehen ist. Die Unternehmen regen an, diese Flächen gezielt für Ausschreibungen zu nutzen, die sich auf industrielle Transformationsprozesse fokussieren. Außerdem sollte der „grüne“ Strom von der EEG-Umlage entlastet werden. Auch fehlt aktuell noch der regulatorische Rahmen für die kohlendioxidfreie Wasserstoffproduktion.

Mit dem vorgestellten Projekt zeigen die BASF und die RWE, wie ein Umbau des Industriestandorts Deutschland gelingen kann. Klimaneutrale Industrieproduktion „Made in Germany“ stellt nach Meinung von M. Brudermüller und M. Krebber sicher, dass Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland bleiben und sich daraus Exportchancen für neue Technologien eröffnen.