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Neue Studie zum privaten Ladeinfrastrukturpotenzial in Deutschland

Mit zunehmender Elektrifizierung des Verkehrs wächst auch der Bedarf an privat und öffentlich zugänglichen Ladepunkten. Nach den Ergebnissen einer neuen Studie der dena Deutsche Energie-Agentur GmbH, Berlin, und der Prognos AG, Basel, im Auftrag des Energieunternehmens EnBW Energie Baden-Württemberg AG, Karlsruhe, verfügt Deutschland zwar über ein großes Potenzial von 8 Mio. bis 12 Mio. privaten Ladepunkten in Gebäuden mit einer oder zwei Wohnungen, jedoch nur über ein Potenzial von 0,45 Mio. bis 1,8 Mio. privaten Ladepunkten bei Gebäuden mit drei oder mehr Wohnungen. Für verdichtete Wohnräume mit Mehrfamiliengebäuden, und dies insbesondere in Regionen mit starker Kaufkraft, bedarf es daher nach Ansicht der Autoren eines konzentrierten und verstärkten Aufbaus der öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur, um den politisch gewünschten Absatz von Elektrofahrzeugen zu ermöglichen. Für Verbraucher, die in Gebäuden mit ein oder zwei Wohneinheiten leben, sieht die Studie in den kommenden Jahren in den meisten Gegenden Deutschlands ein ausreichendes Potenzial, ihr Elektrofahrzeug an einer privaten Wallbox oder Steckdose zu laden. Ein kritisches Verhältnis von privater Ladeinfrastruktur zu Elektrofahrzeugen ist jedoch in kaufkraftstarken Regionen zu erwarten.

Voraussetzung für den so dringend benötigten Markthochlauf der Elektromobilität sind für Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, attraktive Fahrzeuge und die entsprechende Ladeinfrastruktur. Es ist gut, dass die Hersteller ihr Portfolio künftig deutlich verbreitern. Erst wenn Elektroautos in unterschiedlichen Größen verfügbar sind, wird Elektromobilität auch für breitere Verbrauchergruppen interessant. Damit wächst jedoch der Bedarf an Zugang zu privater und öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur. Wie die neue Studie zeigt, bedarf es gerade für Bewohner in verdichteten Gebieten, die in Mehr-Parteien-Gebäuden leben, eines zügigen Zubaus an öffentlicher Ladeinfrastruktur. Der Einsatz von Fördermitteln sollte sich daher daran orientieren, ein zusätzliches, öffentlich zugängliches Ladeinfrastrukturangebot für alle Bevölkerungsgruppen zu schaffen, um einen Engpass der Ladeinfrastrukturverfügbarkeit sowie des Fahrzeugabsatzes zu vermeiden.

Nach Meinung von EnBW-Vertriebschef Timo Sillober zeigt der zu erwartende Bedarf, dass der Aufbau der privaten und öffentlichen Ladeinfrastruktur sehr schnell stattfinden muss. Bereits ab dem Jahr 2022 ist regional mit Engpässen an öffentlich zugänglichen Ladestationen zu rechnen. Wichtig ist dabei insbesondere der Ausbau von Schnellladeinfrastruktur im urbanen Raum. Als Betreiber des, nach eigenen Angaben, größten Schnellladenetzes in Deutschland, forciert die EnBW daher ihr Engagement auch in diesem Bereich – nicht nur beim Ausbau des deutschlandweiten Schnellladenetzes an Fernverbindungen.

Ab 2030 könnte auch das private Ladeinfrastrukturpotenzial ausgeschöpft sein, um den Bedarf aller elektrifizierten Fahrzeuge zu decken. Die Lademöglichkeiten müssen schnell geschaffen werden. Gerade für potenzielle E-Fahrzeugbesitzer in Mehr-Parteien-Gebäuden oder in Wohngebieten ohne Stellplatz, mit angemietetem Stellplatz oder Stellplatz in einer Wohneigentümergemeinschaft, wird der Aufbau einer ausreichenden, öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur ein wesentliches Entscheidungskriterium bleiben.

Die vorliegende Studie gibt einen Überblick, ob der deutsche Gebäudebestand theoretisch das Potenzial besitzt, den Ladeinfrastrukturbedarf von 7 Mio. bis 10 Mio. Elektrofahrzeugen bis 2030 abzudecken, wenn 85 % aller Ladevorgänge durch private Ladepunkte stattfinden würden. Daraus abgeleitet werden Bedarf und Maßnahmen zur Entwicklung identifiziert. Zwar besteht über ganz Deutschland betrachtet bis 2030 das theoretische Potenzial, den Strombedarf aller Elektrofahrzeuge über das private Ladeinfrastrukturangebot zu decken. In allen Szenarien zur privaten Ladeinfrastrukturentwicklung erscheint ein paralleler beziehungsweise vorgreifender Ausbau der öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur aber ebenfalls dringend notwendig, um das Marktwachstum der Elektrofahrzeuge nicht zu behindern. Aufgrund der regional unterschiedlichen Kaufkraft und Wohnraumverteilung wird es innerhalb Deutschlands einen regional und zeitlich differenzierten Markthochlauf der Fahrzeuge und damit Bedarf an öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur geben. Die Studie empfiehlt daher den Aufbau eines Grundnetzes an Ladepunkten in dicht besiedelten Wohngebieten (urbaner Raum), eine stärkere Verzahnung von Elektrofahrzeugneuzulassungen mit der Fördermittelvergabe sowie den Abbau rechtlicher Hindernisse, um private Ladepunkte in Mehrfamilienhäusern und Stellplätzen von großen Wohngebäuden zu schaffen.