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Roland Berger: Wie Unternehmen wirksamerer Klimaschutz gelingt

Die von den 4.700 größten börsennotierten Unternehmen der Welt beschlossenen Einsparziele senken die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 nur um rund 20 %. Um das im Pariser Abkommen definierte Ziel einer maximalen Erwärmung von 1,5 °C einzuhalten, müssten aber 43 % eingespart werden. Die wichtigsten Hürden für einen effektiveren Klimaschutz sind unter anderem der begrenzte Zugang zu „grüner“ Energie und hohe Investitionen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Accelerating decarbonization. Six action areas for speeding up your emission reduction plans“ der Roland Berger GmbH, München. Darin geben die Experten Lösungsansätze, wie sich die Dekarbonisierung beschleunigen lässt und so auch Wettbewerbschancen realisiert werden.

Nach Aussage von Yvonne Ruf, Partnerin bei Roland Berger, haben sich viele Firmen beim Klimaschutz auf den Weg gemacht, aber deutliche Effekte sind bisher noch selten sichtbar. Was sie in den nächsten fünf Jahren tun, wird für ihre Wettbewerbsfähigkeit und für das Klima entscheidend sein. Es ist höchste Zeit, bei der Dekarbonisierung das nächste Level zu erreichen.

Wie die aktuelle Untersuchung zeigt, plant der Großteil der Konzerne Emissionsreduzierungen von 20 % bis 2030. Nur 15 % der Unternehmen wollen ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 halbieren.

Woran mehr Klimaschutz bislang scheitert

Der schleppende Fortschritt hat laut der Studienautoren verschiedene Gründe. So ist die Verfügbarkeit von „grüner“ Energie in den meisten Ländern derzeit sehr begrenzt. Kostenseitig ist die Erzeugung von „Grünstrom“ inzwischen günstiger, die dringend benötigte Beschleunigung im Ausbau fehlt. „Grüne“ Moleküle sind meist noch teurer, wobei sich „grüner“ Wasserstoff durch die hohen Erdgaspreise inzwischen rechnen kann. Einige saubere Technologien, die für einen wirksameren Klimaschutz benötigt werden, sind noch nicht kommerziell verfügbar. Mehr als ein Drittel der CO2-Emissionsreduzierungen bis 2070 werden durch Technologien ermöglicht, die sich noch in der Prototyp- (18 %) oder Demonstrationsphase (18 %) befinden. Um diesen zur Marktreife zu verhelfen, müssten die globalen Investitionen in saubere Technologien und Infrastrukturen von rund 2 Billionen US-Dollar pro Jahr in den 2020er Jahren auf rund 3 Billionen US-Dollar in den 2030er Jahren steigen. Bis 2050 ergibt sich ein Gesamtbetrag von 56 Billionen US-Dollar.

CO2-Emissionen als neue Währung

Stärkerer regulatorischer Druck (beispielsweise der EU aber auch in den USA) sowie der kontinuierliche Anstieg des CO2-Preises, zwingen die Unternehmen zu handeln. Die Studienautoren gehen davon aus, dass der CO2-Preis von heute unter 100 USD pro Tonne CO2-Äquivalente auf bis zu 200 USD pro Tonne steigen wird. Auch das hat erhebliche Auswirkungen auf Unternehmen und ihre Lieferketten.

Beim Thema Wettbewerbsvorteile ging es laut Y. Ruf früher meist um Kosten und Qualität. Jetzt gibt es eine weitere Dimension: CO2. Emissionen werden damit zu einer zusätzlichen Währung, die systematisch gemanagt werden muss, denn sie hat unmittelbaren Einfluss auf das Unternehmensergebnis.

Lösungsansätze für effektiveren Klimaschutz

Die Autoren beschreiben sechs Schlüsselbereiche, in denen Unternehmen aktiv werden müssen, um die Dekarbonisierung innerhalb der nächsten fünf Jahre zu beschleunigen. Dies ist einerseits ein kritischer Zeitrahmen, weil das globale Kohlenstoffbudget in den nächsten vier bis acht Jahren aufgebraucht sein könnte. Andererseits ist es für die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend, jetzt die nötigen Investitionen zu tätigen, Technologien zu pilotieren und erste „grüne“ Produkte auf den Markt zu bringen, um die steigende Marktnachfrage nach emissionsreduzierten Produkten und Dienstleistungen bedienen zu können.

So sollten Firmen ihren Energieverbrauch senken und selbst emissionsfreien Strom erzeugen oder auf emissionsfreien Strom umsteigen. Außerdem sollten private Investitionen in saubere Technologien wo nötig mit öffentlichen Mitteln unterstützt werden, bis diese marktreif sind. Um Emissionen aus der Lieferkette zu minimieren, müssen kritische Lieferanten gezielt eingebunden werden. Neues Produktdesign, neue Materialien und zirkuläre Ansätze tragen ebenfalls dazu bei, den ökologischen Fußabdruck zu verbessern. Digitale Tools und künstliche Intelligenz können schließlich dabei helfen, Emissionsquellen zu identifizieren und Fortschritte bei der Erreichung der Klimaziele transparent zu machen.