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Schuster & Sohn experimentiert mit neuem Dieselkraftstoff

Im Herbst vergangenen Jahres hatte die Schuster & Sohn KG, Kaiserslautern, als eines der ersten Unternehmen 30.000 l des sogenannten Clean-Diesels der Heion GmbH, Siegburg, angeboten (siehe eot 16/2021, Seite 8). Exklusiv an der Zapfsäule des Firmenareals gab es den neu entwickelten Kraftstoff, der nach Hersteller-Angaben effizienter und weniger schädlich ist. Der damals ausgerufene „Testlauf“ ist nach Angaben der Schuster & Sohn noch nicht beendet.

Schon zuvor hatte der Energiestoff-Lieferant die eigene Lastwagen-Flotte mit dem Clean Diesel betankt und dabei nach eigenen Angaben gute Erfahrungen gesammelt. Der Testbetrieb hat dazu geführt, dass das Unternehmen die Weiterentwicklung des Kraftstoffs aktiv unterstützt.

Nach Aussage von Torsten Meinken, Leiter Einkauf/Logistik der Schuster & Sohn KG, lebt der 1874 als Familienbetrieb gegründete Energieversorger davon, zu Wärme und Mobilität zu verhelfen und hat einst voll auf fossile Brennstoffe gesetzt. Das ist aber nicht der Grund dafür, dass das Unternehmen jetzt die Entwicklung und Produktion des neuartigen Diesels unterstützt. Es ist wesentlicher Teil der Firmenphilosophie, bei der Entwicklung und Umsetzung von innovativen Konzepten und Produkten eine Vorreiterrolle einzunehmen, betont T. Meinken.

Das Start-up-Unternehmen Heion ist stolz darauf, dass mit dem Clean Diesel bis zu 9,3 % weniger CO2 als bei „normalem“ Diesel ausgestoßen wird. Der Ausstoß von Stickoxiden fällt um 16 % geringer aus und der Verbrauch sinkt um bis zu 9,3 %.

Nach Informationen von T. Meinken stößt Heion Clean Diesel allerdings an seine Grenzen. Bei modernen Motoren der Sechsernorm bringt der Kraftstoff nur wenig. Erwiesen ist, dass der Verbrauch und der Ausstoß an belastenden Stoffen zumindest bei älteren Motoren merklich geringer ist.

Andreas Heine, Geschäftsführer der Heion GmbH, begrüßt den Mut der Schuster & Sohn, die als erstes Unternehmen den Kraftstoff für Normalverbraucher zugänglich gemacht hat. Für die Heion ist dies ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg, ein Vertriebsnetz aufzubauen.

Laut T. Meinken ist nicht Profitdenken Triebfeder des Engagements – das Unternehmen hatte durch den Verkauf bisher viel Mehraufwand und Mehrkosten. Es gibt nach seiner Aussage Kunden, die den Kraftstoff gerne nutzten. Nicht aus wirtschaftlichen Motiven, denn der Kraftstoff ist rund 15 % teurer als „herkömmlicher“ Dieselkraftstoff, allerdings fahren einige mit einem besseren Gefühl.

Weil durchaus eine Nachfrage da ist, läuft auch die Produktionsanlage in einer Halle auf dem Betriebsgelände weiter. Kernstück der kleinen Produktionseinheit, die im Wesentlichen aus Flüssigtanks und Leitungen sowie technischen Vorrichtungen besteht, ist eine Reaktorzelle. Im Reaktor läuft die Synthese von Flüssigkeiten ab, die mit geringem Energieaufwand molekular verändert werden. Herkömmlicher Diesel wird in Struktur und Zusammensetzung geändert. Der Haken: Höchstens 4.000 l Diesel lassen sich pro Tag veredeln. Das ist zu wenig. Nach Mitteilung von A. Heine arbeitet die Heion an einer größeren Anlage, die 14.000 Liter liefert.

Der Clean Diesel kann aus Sicht von T. Meinken und auch der Entwickler sehr gut als Brückentechnologie eingesetzt werden. Für sie ist klar, dass es beim Wandel des Mobilitätssektors noch einige Zeit in Anspruch nimmt, bis Lkw mit E-Antrieb Ware über Tausende von Kilometern durch Europa transportieren. Ganz zu schweigen von Containerschiffen. Bei solchen Dimensionen kann die Brückentechnologie bei einer kontinuierlichen Weiterentwicklung eine große Entlastung mit sich bringen.