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Transformation: Großteil der Zulieferer baut Elektromobilitätsgeschäft auf – 40 % der Befragten sehen synthetische Kraftstoffe als Ergänzung

Die Automobilbranche steht vor dem wohl größten Umbruch ihrer Geschichte: vom fossilen Verbrennungsmotor zu neuen nachhaltigeren Antriebstechnologien. Insbesondere die Elektromobilität steht aktuell im Fokus des Wandels und des öffentlichen Interesses. Die Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, München, und der VDA Verband der Automobilindustrie e. V., Berlin, haben in einer gemeinsamen Studie im Frühjahr 2021 untersucht, wie es um die Transformation bei den deutschen Automobilzulieferern steht.

Das Ergebnis: Die große Mehrheit der befragten Zulieferer setzt auf Elektromobilität als die Technologie der Zukunft. Mehr als 80 % gehen davon aus, dass sich diese Antriebstechnik als Technologiestandard durchsetzen wird. Außerdem gibt ein Großteil der Befragten (über 80 %) an, bereits mit der Umstellung auf die Elektromobilität begonnen zu haben. Lediglich 10 % der Unternehmen sehen keinen Grund sich zu transformieren, da sie aufgrund ihres Produktportfolios nach eigenen Angaben nicht betroffen sind. Mit einer vollständigen Ablösung des Verbrennungsmotors durch die Elektromobilität rechnen 88 % jedoch erst 2030 oder später. Ein Teil der befragten Zulieferer nimmt an, dass Brennstoffzellen (rund 30 %) oder synthetische Kraftstoffe (40 %) es ebenfalls noch zum (zusätzlichen) Standard schaffen können.

Zulieferer setzen auf Sicherheit

Die elektrische Antriebstechnik steht daher klar im Fokus der Aktivitäten. Die befragten Automobilzulieferer investieren über 30 % ihrer Forschungs- und Entwicklungsausgaben in diese Technologie. Ihr Anteil am Gesamtumsatz fällt dagegen mit 15 % noch deutlich geringer aus. 85 % nutzen die Gewinne aus der traditionellen Verbrennertechnologie, um parallel Kompetenzen in der Elektromobilität aufzubauen. Lediglich 5 % der Zulieferer planen zu gleichen Teilen, sich entweder über Fusionen mit anderen Unternehmen zu konsolidieren oder die Automotive-Branche gänzlich zu verlassen.

Für Dr. Harald Proff, Partner und Leiter Automobilindustrie der Deloitte Deutschland und Global, zeigt das Investitionsverhalten der Automobilzulieferer, dass sie davon ausgehen, dass der Absatz von Elektroautos weiter deutlich steigen wird. Es zeigt sich außerdem, dass die Unternehmen strategisch auf Augenmaß setzen. Ein Großteil verfolgt eine Harvest-Strategie, also einen kontrollierten, langsamen Rückzug aus dem Markt für Verbrennungstechnologien bei gleichzeitigem Aufbau des Geschäftsbereichs Elektromobilität. Radikalere Strategien wie beispielsweise einen frühzeitigen schnellen Markaustritt werden dagegen nur von einer Minderheit der Befragten gefahren.

COVID-19-Pandemie beschleunigt Transformation

Die Deloitte und der VDA haben außerdem untersucht, in welcher Phase der Transformation sich die Automobilzulieferer gegenwärtig befinden. Das Ergebnis: Ein Großteil hat die Hälfte des Weges ins elektrische Zeitalter bereits zurückgelegt. Rund 65 % befinden sich auf den mittleren drei der siebenstufigen Transformationsskala. Lediglich 5 % der befragten Zulieferer befinden sich vor dem Sprung in ein Geschäftsmodell, das nur auf Elektromobilität basiert. Die COVID-19-Pandemie hat den Transformationsprozess eher vorangetrieben als verlangsamt. So gaben mehr als zwei Drittel der Befragten an, dass sie die Pandemie als Beschleuniger der Transformation wahrnehmen. Nur für 13 % bremst die Pandemie die eigene Transformation, weil dort mutmaßlich die finanziellen Mittel für die notwendigen Investitionen weggebrochen sind.

Mehr politische Unterstützung gewünscht

Nach den größten Barrieren für eine zügige Transformation gefragt, nennen die Unternehmen an erster Stelle einen Mangel an politischer Unterstützung und Planungssicherheit. Außerdem werden steigende Anforderungen an die Nachhaltigkeit, ein langsamer Ausbau der erneuerbaren Energien sowie der Fachkräftemangel genannt.

Abschließend konnten die Automobilzulieferer angeben, welche wirtschaftspolitischen Maßnahmen sie als besonders hilfreich erachten. Von der Politik wünschen sie sich vor allem niedrigere Steuern und Energiekosten, schließlich Bürokratieabbau, einen schnelleren Ausbau der Ladeinfrastruktur und eine stärkere Flexibilisierung des Arbeitsmarktes.

VDA-Präsidentin Hildegard Müller sieht die Automobilzulieferer insgesamt auf einem guten Weg: Die Unternehmen schreiten bei der Transformation voran. Das bedeutet nach ihrer Meinungen jedoch sehr hohe Investitionen und damit große Herausforderungen – gerade für die mittelständisch geprägte Zuliefererlandschaft. Viele investieren deutlich mehr als sie aktuell daran verdienen können. Deshalb benötigen die Unternehmen jetzt die richtige Unterstützung und Planungssicherheit. Für eine erfolgreiche und nachhaltige Transformation sind nach den Worten von H. Müller jetzt auch die weiteren politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entscheidend – bei der Ladeinfrastruktur, beim Ausbau der erneuerbaren Energien, beim Bürokratieabbau, bei der Fachkräfteausbildung und bei der Schaffung verständlicher und handhabbarer Anforderungen an die Nachhaltigkeit ist die Politik jetzt gefragt.

Hintergrund

Die Befragung zur Transformationsstudie haben die Deloitte und der VDA im Frühjahr 2021 online durchgeführt. 83 Unternehmen der VDA-Herstellergruppe III (Kfz-Zulieferer – Teile und Zubehör) haben daran teilgenommen. Wenn für die Unternehmen nicht relevant, konnten sie einzelne Fragen bei der Umfrage überspringen. Die prozentualen Angaben beziehen sich daher auf die jeweilige Zahl der abgegebenen Antworten (Fallzahl). Bei manchen Fragen waren außerdem Mehrfachnennungen möglich.