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Fossile Energien

AGRAVIS engagiert sich für deutschen LNG-Markt

Das Tempo bei der Transformation des Energiebereiches wird aufgrund der Klimaschutzziele weiter zunehmen. Die AGRAVIS Raiffeisen AG, Münster, stellt deshalb ihre Strategie in diesem Bereich weitsichtig um und wird dabei aktiv mitwirken. In den Fokus rückt dabei auch LNG – tiefkaltes, verflüssigtes Erdgas, das für den Schwerlastverkehr auf Langstrecken eine sinnvolle Alternative sein kann. So hat die AGRAVIS gemeinsam mit Partnern in den vergangenen Monaten vier LNG-Tankstellen ans Netz gebracht (siehe eot 35/2021, Seite 9). In einem Interview für die Springer-Fachmedien äußert sich Oliver Korting, Bereichsleiter Energie:

Wann ist LNG für die AGRAVIS Raiffeisen AG in den Fokus gerückt?

Im Jahr 2017 wurden uns LNG-Lkw vorgestellt und wir haben damals für unsere eigene Fuhrpark-Flotte den Einsatz geprüft. Zwei Jahre später haben wir dann gemeinsam mit unserem Beteiligungsunternehmen Raiffeisen Gas GmbH den LNG-Markt als attraktiven Nischenmarkt für uns identifiziert.

Woher beziehen Sie das LNG im Moment und was kostet es an der Tankstelle?

Aktuell beziehen wir den Treibstoff vom Importterminal in Zeebrugge. Dabei setzen wir eine eigene Belieferungslogistik mit LNG-Sattelzugmaschinen ein, sodass ein kohlendioxidoptimierter Transport zur Tankstelle gegeben ist. Kurz- bis mittelfristig werden nationale Ladepunkte zur Verfügung stehen, die die CO2-Bilanz in der Logistik dann noch weiter verbessern werden. Die Preise an den Tankstellen bewegen sich im marktüblichen Rahmen; als Basis dient der monatliche Referenzpreis für Erdgas.

Sie sprechen die Umweltvorteile von biologisch hergestelltem LNG an. Gibt es hier schon geplante Projekte?

Ja. Die AGRAVIS-Konzerngesellschaft Terrasol Wirtschaftsdünger GmbH produziert in einer Biogasanlage am Standort Dorsten bereits nachhaltiges Biomethan aus Mist und Gülle, das ins öffentliche Erdgasnetz eingespeist wird und somit bilanziell dem Kraftstoffmarkt zur Verfügung steht. Außerdem prüfen wir gerade die Beteiligung an einer weiteren Biogasanlage, welche zukünftig dann auch Biomethan für den Kraftstoffmarkt produzieren soll.

Wie viele Tankstellen wollen Sie mittelfristig in Deutschland/Europa einrichten?

Unser Fokus liegt klar auf dem deutschen Markt und wir werden hier mit Augenmaß vorgehen. Das heißt: Da, wo es attraktive Standorte für uns gibt, werden wir gemeinsam mit genossenschaftlichen Partnern weitere Projekte entwickeln. Diese Strategie ist nicht mit einer konkreten Anzahl von LNG-Tankstellen verbunden.

Kritiker von LNG thematisieren häufig die Problemzone Methanschlupf. Wie sehen hier die Vorkehrungen an Ihren Tankpunkten aus?

Die Tankpunkte unterliegen dem Bundes-Immissionsschutzgesetz und sind somit genehmigungsbedürftig. Die technischen Konzepte werden also von den beteiligten Behörden eingehend geprüft. Die Tankpunkte sind technisch so ausgestattet, dass sie im Störungsfall in einen sicheren Zustand versetzt werden.

In einem Monat ist Bundestagswahl. Was erwarten Sie von einer künftigen Regierung hinsichtlich Ihrer LNG-Ambitionen und wie schätzen Sie die Chancen dafür ein?

Die gesetzgeberischen Maßnahmen für eine Entwicklung des LNG-Marktes sind ja bereits getroffen und umgesetzt, insofern erwarten wir keine schnellen weiteren Initiativen nach der Bundestagswahl. Die Ziele zur Treibhausgasminderung im Verkehrssektor sind seit Juni 2021 auf EU-Ebene und im nationalen Recht bis 2030 klar definiert. Daraus lässt sich eine deutliche Notwendigkeit zu kohlendioxidärmeren Kraftstoffen ableiten. Und Bio-LNG kann gerade zu Beginn dieser Dynamik eine tragende Säule zur Reduzierung der Emissionen im Schwerlastverkehr sein.