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Raffinerie Heide: Geschäftsjahr 2018

Rund 180 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung sowie aus regionalen und überregionalen Verbänden und Institutionen nahmen in der vergangenen Woche am traditionellen Raffineriegespräch der Raffinerie Heide GmbH teil. Zur Eröffnung zog Geschäftsführer Jürgen Wollschläger Bilanz für das Geschäftsjahr 2018. Dieses stand im Zeichen sehr volatiler Marktentwicklungen. Diese Volatilität kam für das Unternehmen überraschend, hat das zurückliegende Jahr aber besonders spannend gemacht. So folgte mit Blick auf das Margenumfeld auf den Jahrestiefpunkt im Oktober schon im November der beste Wert des Jahres. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 2,3 Mrd. Euro. Mit 4,2 Mio. t verarbeitetem Rohöl wurde 2018 ein gutes Ergebnis eingefahren.

Im Geschäftsjahr 2018 investierte das Unternehmen 27,5 Mio. Euro in die Modernisierung und Instandhaltung der Produktionsanlagen. Diese wiesen im letzten Jahr eine Verfügbarkeit von 96 % und eine Auslastung von 83 % auf. Mit dieser Investition wurden in 2018 maßgeblich die Weichen für die kommenden Jahre gestellt. So wurde nicht nur in den Erhalt des Bestehenden investiert, sondern es wurden laut J. Wollschläger auch zukunftsweisende Projekte ausgebaut. In den kommenden Monaten stehen die Schifffahrtindustrie und mit ihr auch die Erdölraffinerien vor großen Veränderungen. Ab dem 1. Januar 2020 muss die Schifffahrt neue, deutlich niedrigere Grenzwerte in ihren Schwefelemissionen einhalten – so gibt es die Verordnung der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) vor. Ein Weg ist der Einsatz von Treibstoffen mit maximal 0,5 % Schwefelgehalt statt bisher mit 3,5 %. Schon heute ist die Raffinerie Heide in der Lage, diese neue Spezifikation zu erfüllen. Darüber hinaus kommen dem Unternehmen jetzt vor allem die Ausrichtung auf Mitteldestillate und die hohe Komplexität der Raffinerie zugute. So kann der Markt auch künftig optimal bedient werden.

Außerdem ist die Raffinerie Heide in 2018 mit der Aufnahme der Forschungsarbeit an dem vom BMWi Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Berlin/Bonn, geförderten Projekt KEROSyN 100 einen deutlichen Schritt in Richtung „grüne Zukunft“ gegangen. Ziel des Projektes ist die Entwicklung und Herstellung von umweltfreundlichem, synthetischem Kerosin durch die Nutzung von Windenergie. Synthetische Kraftstoffe sind für J. Wollschläger die Zukunft. Ein weiterer Baustein ist der Projektantrag für das Reallabor Westküste 100 im Rahmen des Ideenwettbewerbes „Reallabore der Energiewende“ des Bundeswirtschaftsministeriums. Herzstück des Reallabors Westküste 100 ist die Installation und der anschließende Betrieb einer 20 MW- bis 25 MW-Elektrolyseanlage auf dem Grundstück der Raffinerie Heide, die so eine hohe Menge an konventionell erzeugtem Wasserstoff durch „grünen“ Wasserstoff ersetzen kann.

Die „grüne Zukunft“ – insbesondere des Raffineriestandortes in Dithmarschen – war auch zentrales Thema des Abends. Unter der Überschrift „Retten synthetische Kraftstoffe die Energiewende?“ diskutierten Prof. Dr. Klaus-Dieter Borchardt, stv. Generaldirektor der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission in Brüssel, Thomas Puls, Senior Economist für Verkehr und Infrastruktur am Institut der Deutschen Wirtschaft, Dirk Burmeister, Vorstand der Entwicklungsagentur Region Heide, und J. Wollschläger die Herausforderungen des Pariser Klimaabkommens für die Mobilität in Deutschland und damit auch für die Mineralölraffinerien des Landes. Zahlreiche Fragestellungen waren Teil der Diskussionsrunde: Wird Mobilität zum Luxusgut? Drohen Flächenländer – wie Schleswig-Holstein – zu den Verlierern der Energiewende zu werden? Welche Rolle werden synthetische Kraftstoffe spielen? Und welche Rolle wird eine Mineralölraffinerie in der Energiewende spielen? Diese und weitere Fragen wurden vor dem Hintergrund wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Herausforderungen und Möglichkeiten diskutiert.