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Wood Mackenzie-Analyse: Hohe Kohlenstoffsteuer kann bis zu 60 % der Raffinerieeinnahmen in Asien verschlingen

Nach Angaben der Wood Mackenzie Ltd., Edinburgh, einem Unternehmen der Verisk Analytics, Inc., Jersey City, könnte eine hohe CO2-Steuer bis zum Jahr 2027 bis zu 60 % der gesamten Raffinerieeinnahmen Asiens aufzehren.

Nach dem Emissions-Benchmarking-Tool der Wood Mackenzie entfallen auf die Raffineriebranche nur rund 3 % der weltweiten Emissionen des Energiesektors. Dies bezieht sich auf Scope 1- und -2-Emissionen, die bei der Umwandlung von Rohöl in raffinierte Produkte in der Raffinerie entstehen.

Asien ist nach Aussage von Sushant Gupta, Forschungsdirektor bei der Wood Mackenzie, der größte Verursacher von Raffinerieemissionen weltweit. Die Energiewende wird sich in drei großen Herausforderungen für die Raffinerien manifestieren: Erstens wird der Markt für raffinierte Produkte kleiner, was zu schlechten Raffineriemargen und Raffinerieschließungen führt. Zweitens ist die Nachfrage nach Verkehrskraftstoffen am stärksten betroffen, auf die mehr als 50 % der Raffinerieproduktion entfallen. Die Raffinerien werden sich anpassen und auf petrochemische Produkte umstellen müssen. Und drittens besteht die Möglichkeit einer hohen CO2-Steuer für die Raffinerieindustrie als Teil der umfassenderen Dekarbonisierungsbemühungen. Aus Sicht von S. Gupta mag eine CO2-Steuer zwar eine gute Idee sein, doch in Wirklichkeit ist eine weltweit einheitliche CO2-Steuer oder -Politik unwahrscheinlich, was es den Raffinerien schwer machen wird, die CO2-Kosten an ihre Kunden weiterzugeben. Dies könnte wiederum erhebliche Auswirkungen auf die Gewinnspannen der Raffinerien haben.

Bei einem CO2-Preis von 30 $/t schätzt die Wood Mackenzie die durchschnittlichen Auswirkungen auf die Raffineriemargen auf 0,55 $/b Öläquivalent (bbl). Dieser Wert steigt auf 2,10 $/bbl bei einem CO2-Preis von 100 $/t. Für das Jahr 2027 könnten nach Analysen des globalen Forschungs- und Beratungsunternehmens 60 % der gesamten Raffinerieeinnahmen in Asien bei einem CO2-Preis von 100 $/t wegfallen.

Nur sehr wettbewerbsfähige Standorte, die erhebliche Barmittel erwirtschaften, werden die Energiewende nach Voraussage von Alan Gelder, Vizepräsident der Wood Mackenzie, überleben, da ihre Fähigkeit zur Barmittelgenerierung Mittel für Investitionen in die Dekarbonisierung bereitstellt und sich für Investoren lohnt. Ökologische Nachhaltigkeit muss für Raffinerien eine der wichtigsten Prioritäten sein. Sie müssen ihre eigene, einzigartige Lösung für die Dekarbonisierung finden und dabei trotzdem wirtschaftlich lebensfähig bleiben.

Zu den ersten kurzfristigen Maßnahmen zur Dekarbonisierung des Raffineriesektors gehören Prozessoptimierungen wie die Verbesserung des Wirkungsgrads der Öfen, die Rückgewinnung von Abwärme bei niedrigen Temperaturen und die Optimierung der FCC-Anlagen (Fluid Catalytic Cracking). Die Industrie kann auch einen Brennstoff-Wechsel von Heizöl oder Koks auf sauberere Brennstoffe wie Erdgas oder „grünen“ Wasserstoff in Betracht ziehen. Eine Umstellung von Heizöl auf Erdgas kann die Emissionen um bis zu 30 % senken. Darüber hinaus kann auch ein Wechsel zu saubereren Rohstoffen eine Option sein.

Für eine tiefer gehende Dekarbonisierung müssen die Raffinerien kohlenstoffarme Technologien wie elektrische Beheizung, Kohlenstoffabscheidung und -speicherung in FCC-Anlagen, Wasserstoff- und Vergasungsanlagen sowie Biomassevergasung in Betracht ziehen – ebenso wie den Einsatz von erneuerbarer Energie und „grünem“ Wasserstoff.

Petrochemische Integration erhöht Standortmargen stärker als Emissionen

Aus Sicht von Johnny Stewart, Principal Analyst der Wood Mackenzie, ist die Integration von Raffinerie und Petrochemie eine Grundlage für die langfristige Rentabilität von Standorten. Rund 70 % der gesamten asiatischen Raffineriekapazität ist bereits in die Petrochemie integriert, aber die durchschnittliche Chemikalienausbeute der integrierten Raffinerien beträgt nur rund 13 Gew.-%. Im Gegensatz dazu weisen die neuen integrierten Raffineriestandorte in China eine Ausbeute von über 40 Gew.-% an Chemikalien auf. Es ist also noch ein langer Weg zu gehen. Beim Erstellen einer Rangliste der Raffinerien auf der Grundlage ihrer Nettokassamarge mittels des Asset-Benchmarking-Services REM-Chemicals der Wood Mackenzie, ist festzustellen, dass integrierte Raffineriestandorte in der Petrochemie an der Spitze liegen. Für J. Stewart zeigt sich am Beispiel des südkoreanischen Standorts Onsan, dass Investitionen in die petrochemische Integration einen höheren Wert schaffen, der die Kosten der Emissionen bei Weitem übersteigt.