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Erdgasversorgung: Zweite Ostseepipeline ist überflüssig

Die geplante Ostseepipeline Nord Stream 2 ist zur Sicherung der Erdgasversorgung nicht notwendig. Deutschland und Europa verfügen bereits jetzt über ein gut ausgebautes Netzwerk von Pipelines und Lieferregionen, das weiter diversifiziert und darüber hinaus im Bedarfsfall durch Flüssiggaslieferungen ergänzt werden kann. Sowohl die deutsche als auch die europäische Erdgasversorgung ist damit krisenfest.


Dies zeigen Modellrechnungen des DIW Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e. V., Berlin. Nach Informationen von DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert ist die Erdgasversorgung sicher. Dank einer gut entwickelten Infrastruktur und einer Vielfalt an Lieferländern kann und wird es nach ihrer Auffassung keine Versorgungsengpässe geben. Selbst ein unwahrscheinlicher Totalausfall der russischen Erdgaslieferungen kann durch alternative Bezugsquellen und Effizienzsteigerungen ausgeglichen werden. Außerdem zeigen Szenarien, dass der Erdgasbedarf zurückgeht.


Unrealistische Bedarfsschätzungen – Energiewirtschaftliche Analysen überschätzen oftmals den künftigen deutschen und europäischen Erdgasbedarf erheblich, unter anderem, weil sie die Kosten für erneuerbare Energien zu hoch ansetzen und die Bedeutung von Klimaschutz unterschätzen. Dies gilt insbesondere für das EU-Referenzszenario, das dem Projekt Nord Stream 2 zugrunde liegt und dessen Annahmen bereits vom Europäischen Rechnungshof bemängelt wurden. Berechnungen des DIW Berlin zeigen, dass sowohl die erneuerbaren Energien als auch die Klimaschutzpolitik dazu führen werden, dass der Erdgasbedarf in Europa aller Voraussicht nach zurückgehen wird.


Flüssiggas als zusätzliche Option – Im Rahmen der Energieunion setzt die EU schon seit Jahren auf eine Diversifikation der Erdgasimporte, um vor allem die Abhängigkeit von russischen Lieferungen zu vermindern. Insbesondere besteht die Möglichkeit, Flüssiggas (Liquefied Natural Gas, LNG) in zahlreichen Importterminals entlang der europäischen Küsten anzulanden, die derzeit nur schwach ausgelastet sind. Deutschland hat zwar keinen eigenen LNG-Hafen, kann aber Flüssiggas problemlos über die Niederlande beziehen und im gut ausgebauten Pipelinenetz transportieren.


Nord Stream 2 ist betriebswirtschaftlich unrentabel und politisch motiviert – Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive ist Nord Stream 2 fragwürdig. Mehrere Analysen deuten darauf hin, dass das Projekt weit von wirtschaftlicher Rentabilität entfernt ist. Die Projektgesellschaft wird für C. Kemfert die zusätzlichen Kosten in einem überwiegend gesättigten europäischen Erdgasmarkt tendenziell auf die Endverbraucher umlegen. Es ist wahrscheinlich, dass politische Gründe hinter der Entscheidung für die Nord Stream 2 Pipeline stehen. Neben der Vermeidung des Transits durch die Ukraine geht es der PAO Gazprom, Moskau, um die Stärkung ihrer Position im europäischen Erdgasmarkt.