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VIK zum Entwurf der Nationalen Wasserstoffstrategie

Der VIK Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft e. V., Essen, begrüßt, dass sich die Bundesregierung in der Nationalen Wasserstoff Strategie für Wasserstoff als weiteren leitungsgebundenen Energieträger und Rohstoff im Rahmen der angestrebten Dekarbonisierung des Wirtschaftssystems ausspricht.

Angesichts der Zielsetzung einer immer stärker auf Klimaneutralität ausgerichteten Gesellschaft muss für die Einordnung von Wasserstoff der CO2-Fußabruck maßgeblich sein. Der VIK lehnt daher die Farbenlehre („grün“, „blau“ und weitere) ab, da sie zu vereinfachend ist und letztlich auf einer Klassifizierung bestimmter Technologien basiert.

Für einen erfolgreichen internationalen Markhochlauf für Wasserstoff als Handelsware (sogenannte commodity) ist es wichtig zu berücksichtigen, dass Wasserstoff international gehandelt wird. Wichtig in diesem Zusammenhang sind internationale Standardisierungen:

  • Für den Aufbau eines international anschlussfähigen Klassifizierungssystems für Wasserstoff erachtet der VIK die nachfolgende Klassifizierung als zielführend: Als klimaneutrale Gase werden Gase mit einem CO2-Fußabruck kleiner als 10 g/MJ bezeichnet, als treibhausgasarme Gase solche mit einem CO2-Fußabruck kleiner 40 g/MJ. Der VIK lehnt sich damit an die Klassifizierung der BDI-Position „Prioritäten der Industrie für die nationale Wasserstoffstrategie“ vom November 2019 an.
  • Der Aufbau eines international einheitlichen Qualitätsstandards, beispielsweise hinsichtlich der Reinheit des Wasserstoffs. Dafür sind technische und juristische Erfordernisse zu berücksichtigen und zu harmonisieren.


Für einen schnellen und effizienten Markthochlauf ist es wichtig, die nationalen und internationalen Anstrengungen ressortübergreifend zu koordinieren. Dafür unterstützt der VIK den Aufbau einer zentralen Koordinierungsstelle mit entsprechender Ressourcenausstattung wie bereits im Entwurf der Nationalen Wasserstoffstrategie (NWS) dargelegt.

Herstellung/Erzeugung

Eine sichere und kosteneffiziente Versorgung mit Wasserstoff kann Treiber für die erfolgreiche Transformation zu einer klimaneutralen Kreislaufwirtschaft sein. Die Herstellung von Wasserstoff muss unter den Aspekten „Versorgungssicherheit“, „Bezahlbarkeit“, „Qualität“ und „CO2-Fußabdruck“ erfolgen. Die nachfolgenden Aspekte sind aus Sicht des VIK essentiell:

  • Mit Blick auf das EnWG in der aktuellen Fassung, spricht sich der VIK dafür aus, den Technologievorbehalt aus § 3 Nr.19a zu streichen.
  • Für die perspektivisch benötigten großen Mengen von klimaneutralem Wasserstoff ist sowohl der kosteneffiziente Ausbau von Erzeugungskapazitäten für erneuerbaren Strom als auch ein entsprechend harmonisierter Ausbau der Netze in Deutschland erforderlich. Diese Voraussetzungen sind zwingend notwendig, um das Bereitstellungspotenzial für klimaneutralen Wasserstoff nicht einzuschränken.
  • Für den Aufbau einer funktionierenden Wasserstoffwirtschaft sind auch internationale Energiepartnerschaften notwendig, denn ein Import von Wasserstoff wird notwendig – sowohl aus Gründen der Versorgungssicherheit, als auch unter Kosten- und Effizienzgesichtspunkten. In diesem Zusammenhang werden die Gespräche der Bundesregierung mit potentiellen Lieferländern begrüßt. Auch wird die Bundesregierung in ihrem Vorhaben bestärkt, den Dialog weiter auszubauen. Die mit diesem Gedanken verbundene Erarbeitung des Potenzialatlas Wasserstoff begrüßt der VIK ausdrücklich und bietet seine Unterstützung an.
  • Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen eine Wasserstofferzeugung so preiswert wie möglich gestalten. Eine Möglichkeit stellt die vollumfängliche Kompensation der EEG-Umlage bei netzdienlicher Fahrweise von Wasserstofferzeugungs- und CO2-Abscheidungsanlagen dar. Dies trägt auch dazu bei, Investitionsentscheidungen in der Industrie anzureizen.
  • Außerdem ist ein Zugang ohne Zeitverzögerung zur Besonderen Ausgleichsregelung gem. § 64 EEG für den Markthochlauf und Betrieb von Wasserstofferzeugungsanlagen und CO2-Abscheidungsanlagen essenziell. Der bestehende Regulierungsrahmen bedarf einer diesbezüglichen Optimierung.


Es ist zu begrüßen, dass die Bundesrepublik Deutschland den Anspruch auf Technologieführerschaft auf dem Gebiet der Wasserstofftechnologie und der damit verbundenen Wertschöpfungsketten anstrebt. Bevorzugt gelingen sollte dies durch H2-Importe im Gegensatz zu Importen von H2-Produkten, beispielsweise mit Blick auf „High Value Chemicals“.

Kosten/Förderung

Die Herstellung klimaneutraler Gase ist aktuell wirtschaftlich noch nicht allein konkurrenzfähig, daher wird zunächst eine Unterstützung erforderlich sein. Dabei dürfen keine Pfadabhängigkeiten durch technologiespezifische Förderungen geschaffen werden.

Hier müssen die kostengünstigsten Instrumente genutzt und zeitlich eng auf den tatsächlich benötigten Unterstützungsbedarf zugeschnitten werden. Mittel der Wahl sind dabei Anpassungen im regulatorischen Rahmen sowie in Anreizsystemen wie beispielsweise:

  • Entlastung des zur Herstellung klimaneutraler Gase erforderlichen Strombedarfs von Steuern und Abgaben, soweit der Strombezug (strom-) netzdienlich erfolgt. Dies muss im Übrigen für alle für das Stromnetz erforderlichen Flexibilitäten gelten, um eine technologieneutrale Ausgestaltung zu gewährleisten.
  • Anerkennung von klimaneutralem Wasserstoff in bestehenden Quotenverpflichtungssystemen (beispielsweise im Verkehrsbereich). Damit wird der Marktwert des treibhausgasneutral erzeugten Wasserstoffs erhöht und seine Wirtschaftlichkeit auf marktkonforme Weise gestärkt.
  • Um eine funktionsfähige finanzielle Unterstützung der Wasserstoffherstellung zu erreichen, sollte sich die Bundesregierung um etwaige notwendige Anpassungen des europäischen Beihilferechts bemühen.
  • Es sollte über eine direkte finanzielle Unterstützung, falls erforderlich, für die im internationalen Wettbewerb stehende Industrie nachgedacht werden.

Infrastruktur

Eine wichtige Voraussetzung für den Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft ist der zeitnahe Aufbau paralleler flächendeckender Infrastrukturen (Strom, Wasserstoff, CO2) unter den Aspekten der Sicherheit und der Kosteneffizienz.

  • Wasserstoff als Rohstoff und Energieträger wird benötigt, um die gesteckten Klimaziele für die Industrie zu erreichen. Im Zuge von CO2-Minderungsmaßnahmen wird Wasserstoff auch im hohen Maße für den Aufbau einer funktionierenden branchenübergreifenden CO2-Kreislaufwirtschaft (CCU/CCS/CO2-Nutzung) benötigt. Daher muss ein zeitnaher und aufeinander abgestimmter Infrastrukturaufbau sowohl für Wasserstoff, Sauerstoff als auch für CO2, erfolgen.
  • Für einen kosteneffizienten und schnellen Markthochlauf einer Wasserstoffwirtschaft kann CCU/CCS eine wichtige Rolle als Anschubtechnologie spielen, da somit zunächst auch Wasserstoffquellen nutzbar gemacht werden, deren CO2-Fußabdruck nicht als klimaneutral einzustufen ist.
  • Aufbau einer separaten H2-Netzinfrastruktur im Fernleitungsnetz. Dies sollte aus stofflichen und energetischen Gesichtspunkten vor einer Beimischung in das bestehende Erdgas-Netz prioritär verfolgt werden. Dabei unterstützt der VIK die Nutzung bestehender Infrastrukturelemente zum Aufbau eines Wasserstoffnetzes, unter anderem durch Umwidmung bestehender, parallel verlaufender Erdgas- in Wasserstofffernleitungen.
  • Auf Verteilnetzebene ist eine lokal differenzierte Betrachtung notwendig: Der VIK weist darauf hin, dass in von sensiblen Verbrauchsanlagen betroffenen Gasnetzbereichen die Beimengung von Wasserstoff begrenzt werden sollte. Bereits ab Wasserstoffkonzentrationen in der Höhe von 2 Vol.-% kann, insbesondere bei der stofflichen Nutzung, ein sicherer Anlagenbetrieb gefährdet werden. Außerdem müssen Schwankungen in der Wasserstoffkonzentration unbedingt vermieden werden, um sensible und investitionsintensive Industrieanlagen im Betrieb zu schützen.

Einsatzfelder

Für einen erfolgreichen Markthochlauf spricht sich der VIK für eine Priorität der stofflichen Nutzung von Wasserstoff und Verwendung in anderen Prozessen (Ammoniak- und Methanolherstellung, Stahlerzeugung, CCU-Kreislaufwirtschaft) aus. Eine reine energetische Nutzung sollte erst nachgeschaltet, bei ausreichender Deckung des stofflichen Bedarfs, berücksichtigt werden. Stoffliche Nutzungen, die zugleich der Deckung des energetischen Bedarfs dienen, sind einer reinen stofflichen Nutzung gleichzusetzen.