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Benzin und Diesel überwinden Corona-Krise

Die Produktion von Benzin und Diesel in den deutschen Raffinerien hat sich nach dem tiefen Einbruch durch die Corona-Krise weitgehend erholt. Bei Flugkraftstoff dagegen liegt der Bedarf weiter deutlich unter den Vorjahren. Die Herstellung von Heizöl profitiert von einer Sonderkonjunktur, wie aus aktuellen Zahlen für das erste Halbjahr 2020 des MWV Mineralölwirtschaftsverband e. V., Berlin, hervorgeht. Die Raffineriebranche strebt unterdessen bis 2050 Klimaneutralität an.

Nach Aussage von MWV-Hauptgeschäftsführer Prof. Christian Küchen haben die Raffinerien in der schweren und noch andauernden Wirtschaftskrise einmal mehr ihre hohe Flexibilität unter Beweis gestellt. Die Produktion wurde permanent an die sich stark ändernde Nachfrage angepasst, die Raffinerie- und Tankstelleninfrastruktur als systemrelevante Branche war und ist zu jedem Zeitpunkt produktions- und lieferfähig. Mit Blick auf zuletzt gestiegene Fallzahlen, auf die Entwicklung der Luftfahrt oder auf weiter ausbleibende Großveranstaltungen ist sich die Branche gleichzeitig bewusst, dass der Weg zu einer Normalisierung noch weit ist.

Nachholeffekt im Gütertransport, Sonderentwicklung beim Heizöl

Die Corona-Beschränkungen ab Ende März 2020 hatten auch die Raffinerieproduktion getroffen, denn Dienstreisen, Berufspendelverkehr und zahlreiche Gütertransporte waren vorübergehend entfallen. Seit Mai erlebt die Branche allerdings einen Nachholeffekt. Infolgedessen lag die Dieselproduktion im Juni gegenüber dem Vorjahr sogar im Plus. Sinkende Preise ließen auch die Heizölnachfrage und damit die Produktion stark anziehen. Dort zeigt sich die ungebrochene Beliebtheit von Heizöl als bezahlbarem und speicherbarem Energieträger.

Rückgänge im Geschäfts- und Berufsverkehr wurden teilweise durch mehr Privatfahrten kompensiert. Dazu zählen – mit Blick auf die Benzinnachfrage – auch Urlaubsreisen mit dem Auto. In der verstärkten Nutzung des Pkw spiegelt sich somit der Wunsch vieler Bürger nach Schutz vor Infektionsgefahren wider. Dort zeigen sich die Vorzüge individueller Mobilität, und auf der Langstrecke besitzt der Verbrennungsmotor aufgrund der hohen Energiedichte und der schnellen Betankbarkeit flüssiger Kraftstoffe klare Vorteile.

Wiederaufschwung für Umstellung auf klimaschonende Kraftstoffe nutzen

Umso wichtiger ist es jetzt, mit einem Klimaschutzprogramm für Kraftstoffe aus der Corona-Krise zu kommen. Anders wird nach Ansicht von C. Küchen die Klimaneutralität bis 2050 nicht zu erreichen sein. Mit ihrer jüngst gestarteten Initiative „Clean Fuels for All“ strebt die deutsche und europäische Mineralölindustrie dieses Ziel an. Für den klimapolitischen Erfolg bedarf es jedoch auch des Engagements von EU und Bundesregierung. Dazu zählt, die heutige Energiesteuer vom reinen Literverbrauch auf eine CO2-Bepreisung umzustellen. Das würde die Marktchancen von kohlendioxidarmen Biokraftstoffen und klimaneutralen E-Fuels für Pkw, Lkw und Flugzeuge massiv erhöhen. Darüber hinaus benötigen die Raffinerien Investitionssicherheit, beispielsweise durch ein Markteinführungsprogramm zur Produktion von kohlendioxidneutraler flüssiger Energie für Verkehr, Wärme und Industrie.