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Biobasierte Autokarosserie für die Straßenzulassung rückt in greifbare Nähe

Das BMEL Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Bonn/Berlin, fördert seit Oktober dieses Jahres die Entwicklung einer Auto-Karosserie mit einem hohen Anteil nachwachsender Rohstoffe. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut WKI, Braunschweig, und der HOBUM Oleochemicals GmbH, Hamburg, wollen einen Bioverbundwerkstoff aus Pflanzenfasern und pflanzenölbasierten Harzsystemen entwickeln, der industriell zu Karosseriebauteilen verarbeitet werden kann. Mit dem Bioconcept-Car als Testmodul optimieren sie die technische Performance der Bauteile bis zur serienreifen Straßenzulassung.

Biobasierte Harzsysteme im Fokus

Über das Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe unterstützt das BMEL seit einigen Jahren die Entwicklung biobasierter Werkstoffe im Karosseriebau. Jetzt startete das dreijährige Verbundprojekt „Biobasierte Harze für die serielle Verarbeitung faserverstärkter Bauteile (BioResinProcess)“. Lag der Fokus der Förderung bisher vor allem auf den Naturfasern, richtet sich der Blick jetzt verstärkt auf biobasierte Harzsysteme.

Bioanteil soll auf 85 % erhöht werden

BioResinProcess knüpft nahtlos an das im Sommer 2020 abgeschlossene Förderprojekt „Nachhaltiger Biohybrid-Leichtbau für eine zukunftsweisende Mobilität“ an. Dort ist erstmals die Serienfertigung eines Karosseriebauteils aus naturfaserverstärkten Werkstoffen gelungen. Im Folgeprojekt soll der Bioanteil der Bauteile auf mindestens 85 % erhöht und ihre Verarbeitung mit dem RTM (Resin-Transfer-Moulding)-Verfahren optimiert werden. Weitere Stationen in der industriellen Fertigung sind die Oberflächenbearbeitung und die abschließende Lackierung. Für beide Schritte werden geeignete biobasierte Lösungen gesucht.

Rennteam Four Motors testet unter realen Bedingungen

Ziel ist, ein Serienbauteil aus biobasierten Verbundwerkstoffen im Hinblick auf die Anforderungen einer Straßenzulassung zu konzipieren. Ein besonderer Reiz dieses Projekts liegt in der Zusammensetzung der Partner. Mit dem Fraunhofer WKI und der HOBUM GmbH sind für die Werkstoffseite die anwendungsnahe Forschung und ein industrieller Partner vertreten. Die Automobilbranche ist mit der Porsche AG, Stuttgart, die als assoziierter Partner ihr technisches Know-how einbringt, direkt beteiligt. Eine hohe Aufmerksamkeit sowohl in der Automobilbranche als auch der breiten Öffentlichkeit entsteht durch das Rennteam Four Motors, das die entwickelten Karosseriebauteile unter realen Bedingungen testet und mit seinem Promifahrer, dem Musiker Smudo, die mediale Berichterstattung befeuert.

Straßenzulassung nicht das einzige Ziel

Parallel zum Ziel einer Straßenzulassung arbeiten die Partner an der Steigerung des Anwendungspotenzials von Bioverbundwerkstoffen. Bioverbundwerkstoffe sind nicht nur im Automobilbau gefragt, vielmehr setzen verschiedene Industriebereiche große Hoffnung auf diese Materialien, die einen günstigen Leichtbau ermöglichen.
Damit knüpft das Forschungsprojekt BioResinProcess an die Nationale Bioökonomiestrategie der Bundesregierung an. Mit Karosseriebauteilen aus nachwachsenden Rohstoffen lässt sich anschaulich darstellen, wie der Umbau zu einer nachhaltigen, kreislauforientierten Wirtschaft auf Basis biogener Rohstoffe funktionieren kann. Darüber hinaus verdeutlicht der Einsatz von Pflanzenfasern und Pflanzenölen für die Herstellung von Bioverbundwerkstoffen die wichtige Rolle der Land- und Forstwirtschaft als Rohstoffproduzent und -lieferant. Um die Potenziale biogener Rohstoffe erschließen zu können, wird allerdings noch eine Forschungsförderung, wie sie das Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe des BMEL leistet, gebraucht.